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Ivrea Sehenswürdigkeiten
Alles Wissenswerte von Olivetti bis Orangen

Willst Du wissen mit welchen Sehenswürdigkeiten Ivrea punkten kann? Dann bist Du hier richtig!

Von der schönen Altstadt über die Industriestadt und die umliegenden Seen, Ivrea lohnt unbedingt ein Besuch, nicht nur zum berühmten Orangenkarneval.

Ich war bereits mehrfach in Ivrea unterwegs, denn in der vielfältigen Kleinstadt gibt es immer wieder Neues zu entdecken. Hier findest Du alles Wissenswerte für Deinen Besuch der Ivrea Sehenswürdigkeiten.

Ivrea Überblick

Die sehenswerte Kleinstadt Ivrea liegt im Norden des Piemont, ca. 55km nördlich der Regionalhauptstadt Turin und 75km entfernt von Aosta im nahegelegenen, autonomen Aostatal.

Ivrea liegt am Fluss Dora Baltea, einem Nebenfluss des Po, und befindet sich in einer Region, die von einem großen pleistozänen Gletscher geformt wurde.

Dieser Gletscher bildete eine Reihe von Moränenreliefs, darunter die Serra Morenica, der längste, massivste und geradeste Hügel der Welt.

Mit knapp 24000 Einwohnern, gilt Ivrea als Hauptstadt des Canavese. Einer Region, die bekannt für den gleichnamigen Wein mit DOC-Status ist.

Die historische Altstadt befindet sich auf einem Hügel nördlich der Dora Baltea. Südlich des Flusses hat sich, durch das Unternehmen Olivetti, ab 1930 die Industriestadt Ivrea, eines der wichtigsten Industriezentren im Piemont entwickelt.

Steinerne, alte Treppe, die durch die Altstadt von Ivrea abwärts führt. Im Hintergrund mehrere Türme und viele bunte Stadthäuser.
Auf der Via Francigena innerhalb der Altstadt von Ivrea

Ivrea Sehenswürdigkeiten

Dom von Ivrea / Cattedrale di Santa Maria Assunta

Auf dem Altstadthügel, wo seit über 1000 Jahren die Kathedrale von Ivrea steht, soll zu Römerzeit eine Akropolis befunden haben.

In der sehenswerten Krypta des Doms kann der Sarkophag des Quästor Caius Atecio Valerius aus dem 1. Jahrhundert bewundert werden. 

Der Dom hat eine überdachte Verbindung mit dem Palazzo del Vescovado, dem ehemaligen Bischofspalast, dessen Fundamente ebenfalls römisch sind.

Steinerne Fassade mit mehreren Säulen auf beiden Seiten des Eingangs, der Cattedrale di Santa Maria Assunta von Ivrea.
Kathedrale von Ivrea von außen
Cattedrale di Santa Maria Assunta von Ivrea von innen.
Cattedrale di Santa Maria Assunta von innen

Weitere sehenswerte Kirchen von Ivrea

Von 1605 ist die Kirche San Nicola da Tolentino, die ebenfalls auf dem Domplatz, Piazza del Duomo, steht.

Auf dem Hauptplatz von Ivrea, der Piazza di Città, steht ein Nachfolger der ersten 993 errichtete Kirche Sant’Ulderico aus schönem, roten Backstein.

Die Wallfahrtskirche Monte Stella steht auf einem Hügel, vom Marktplatzes, über einen Kreuzweg aus dem 19. Jahrhundert, erreichbar. 1627 wurde das Heiligtum als Zeichen der Verehrung für die „Schwarzen Madonna “ von Oropa gebaut.

Die gelbe Kirche Chiesa San Nicola da Tolentino von Ivrea steht mittig auf einem großen Platz aus Kopfsteinplaster mit einigen, geparkten Autos davor
Chiesa San Nicola da Tolentino von Ivrea
Chiesa Sant'Ulderico an der Piazza di Città besteht aus roten Backsteinen. Wie ein Reihenhaus ist sie zwischen 2 bunten Häusern eingeklemmt.
Chiesa Sant’Ulderico an der Piazza di Città

Banner in den braunen Farben des Logos, mit einem Bild von Turin. Der Schriftzug informiert über den Reiseplanungsservice für das Piemont

Schloss von Ivrea / Castello de Ivrea

Oberhalb der Altstadt, fast neben dem Dom, thront das Wahrzeichen der Stadt: das imposante Schloss von Ivrea, bekannt als das Schloss der „roten Türme“.

Es wurde 1358 im Auftrag von Amedeo VI. von Savoyen, komplett aus Ziegeln erbaut und besitzt einen quadratischen Grundriss mit großem Innenhof, verstärkt durch schlank zylindrische Türme.

Der größte Turm wurde 1676 durch einen Blitz beschädigt und nicht wieder aufgebaut. Ursprünglich beherbergte das Schloss politische und religiöse Institutionen. Im Laufe der Zeit wurde es als Gefängnis genutzt und von der wertvollen Inneneinrichtung befreit.

Leider kann es nicht besichtigt werden, da es bis voraussichtlich 2025 renoviert wird.

Das Schloss von Ivrea ist aus roten Backsteinen mit 3 großen Türmen. Davor eine Gallerie, ebenfalls aus dem landestypischen roten Backstein. In der Luft jede Menge Schwalben.
Schloss von Ivrea

Ivrea Altstadtgassen

Der Hauptplatz der schönen Altstadt, die Piazza di Città, teilt die autofreie Hauptstraße, Via Palestro-Via Arduino, in zwei Teile. An diesem schönen kleinen Platz steht der Palazzo Civico, das Rathaus mit seinem Glockenturm.

Von außen nicht ersichtlich versteckt sich in der Via Quattro Martiri 20, dem ehemaligen Ghetto von Ivrea, die 1875 erbaute Synagoge mit Originalmöbeln aus dem 19. Jahrhundert.

Wahrscheinlich römischen Ursprungs ist der Turm von Santo Stefano, der Glockenturm der gleichnamigen Benediktinerabtei aus dem 11. Jahrhundert. Die Abtei wurde im Mittelalter vollständig zerstört, während der Turm heute in den öffentlichen Gärten von Ivrea steht.

Linda und Jan schlendern durch eine belebte Altstadtgasse von Ivrea
Altstadtgasse von Ivrea
Einige Marktstände, mit neugierigen Menschen davor, stehen auf dem Platz unterhalb des Glockenturm Santo Stefano von Ivrea
Glockenturm Santo Stefano von Ivrea

Ponte Vecchio und Dora Baltea

Die schöne römische Brücke, die um das dritte Jahrhundert herum gebaut wurde, überspannt den Fluss Dora Baltea. Sie ist noch voll funktionsfähig und wird von Autos befahren.

Sie führt in den alten Stadtteil Borghetto welcher vom Berg Ferroglietto dominiert wird, auf dem einst eine Zitadelle stand. Heute steht dort die Villa Chiampo, die ehemalige Residenz von Giacomo Chiampo, Bürgermeister von Ivrea von 1888 bis 1895.

Nur ein paar Meter weiter östlich führt heute zusätzlich die breitere Brücke Ponte Adriano Olivetti und direkt dahinter eine Eisenbahnbrücke über den Fluss.

Mein Tipp: Im Café auf der Brücke oder aber auch dem nahegelegenen Park Giardino Donne Della Resistenza lässt es sich schön sitzen und den Kanufahrern beim Bezwingen des Wasser-Parcours zuschauen.

Die alte, steinerne Ponte Vecchio spannt über den Fluss Dora Baltea. Davor, im aufgewühlten Flusswasser ein Parcour für Kanufahrer. Rechts und links vom Fluss, erst Felsen und darüber alte, bunte Häuser.
Ponte Vecchio über die Dora Baltea

Industriestadt Ivrea

Die sogenannte Industriestadt Ivrea wurde zwischen 1930 und 1960 von Adriano Olivetti erbaut. Sein architektonisches Erbe erstreckt sich über 70 % des Stadtgebiets.

Das Beispiel für Wohn-, Industrie- und Sozialbauten wurde 2018 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. 

Die Idee der Unternehmensführung der von Camillo Olivett gegründete Fabrik unterschied sich vom Rest der italienischen Industrielandschaft, da nicht ausschließlich Profit, sondern auch das Wohl der Mitarbeiter im Fokus stand.

So gab es „flexible Arbeitszeiten“, Stipendien oder auch Spielzeug und Geschenke für Arbeiterfamilien zu Weihnachten.

Das Industriegebiet verfügte über medizinische Versorgung, Kindergärten, Sommerlager, eine Kantine und eine Bibliothek und alles war kostenlos oder zu deutlich reduzierten Preisen für Mitarbeiter und deren Familien erhältlich.

Der 2018 von der UNESCO anerkannte Welterbe-Bereich umfasst einen aus 27 Gebäuden bestehenden Komplex, eine große Fabrik, Verwaltungs- und Wohngebäude sowie soziale Einrichtungen.

Das Gelände kann heute besichtigt werden. Tickets und weitere Informationen gibt es im UNESCO Visitor Centre, dem Olivetti-Besucherzentrum (⇨ Lage) 

Großes, U-förmiges Gebäude auf der Piazza Ottinetti, mit vielen, gewölbten Torbögen. Hier befindet sich der Eingang zum Museo Civico Pier Alessandro Garda
Piazza Ottinetti – Eingang zum Museo Civico Pier Alessandro Garda

Die Seen von Ivrea

Nach dem Rückzug der letzten Eiszeit sind zahlreiche Moränenseen nördlich des heutigen Ivrea entstanden. Rund um die Lago Sirio, Lago San Michele, Lago Pistono, Lago Nero und Lago Campagna lässt es sich hervorragend spazieren gehen.

Am Ufer des malerischen Lago Pistono befindet sich die Riesenbank Panchina Gigante # 145 – Montalto Dora (⇨ Lage).

Jan liegt auf der grünen Big Bench Montalto Dora am Lago Pistono und bewundert den Blick über den See und die dahinter liegenden Berge
Big Bench Montalto Dora am Lago Pistono

Via Francigena

Die Via Francigena ist ein historischer Pilgerweg, der sich über rund 1600 Kilometer erstreckt und von Canterbury in England bis nach Rom führt.

Die beliebte Pilgerroute hat eine lange Geschichte und wurde im 9. Jahrhundert vom Erzbischof Sigeric von Canterbury in 79 Tagen zurückgelegt und erstmals dokumentiert.

Von der Schweiz führt der internationale Wanderweg ins Aostatal, um anschließend ca. 650km durch das Piemont zu verlaufen.

Die Stadt Ivrea, als ein Etappenziel entlang der Route, bietet ein Via Francigena Informationszentrum und eine Pilgerherbergen (it. Ostelli) ⇨ Lage.

Das kleine Informationsbüro der Via Francigena in Ivrea mit dem großen Logo des Weitwanderweges am Eingang. Davor liegen auf einem Tisch Broschüren und daneben steht eine rote Bank.
Informationsbüro der Via Francigena in Ivrea

Der Karneval von Ivrea / die Orangenschlacht

Ivrea ist für seinen einzigartigen, historischen Karneval, die Battaglia delle Arance (dt. Orangenschlacht) berühmt.

Dieser spektakuläre Brauch hat seine Wurzeln im Jahr 1808, als die napoleonischen Herrscher die Entscheidung trafen, die verschiedenen Karnevalsfeste zu einem großen Ereignis zusammenzuführen.

Höhepunkt des mehrtägigen Karnevals von Ivrea ist die traditionelle Orangenschlacht, bei der Tausende von Menschen in verschiedene Gruppen aufgeteilt sind und sich mit Orangen bewerfen.

Die Orangen repräsentieren dabei symbolisch die tyrannische Herrschaft, gegen die die Menschen aufbegehren.

Die Festivitäten, des ältesten Karnevals Italiens, erstreckt sich über mehrere Tage und umfasst auch farbenfrohe Umzüge in historischen Kostümen, Musik, Tanz und traditionelle kulinarische Spezialitäten.

Mittlerweile hat das Fest internationale Bekanntheit erlangt, ist eines der kulturellen Highlights der Region und zieht jedes Jahr Tausende von Besuchern aus der ganzen Welt an, die das einzigartige Spektakel hautnah erleben möchten. ⇨ Hier geht’s zur offiziellen Webseite des Festes.


San Savino

Ein weiteres wichtiges Fest findet rund um den 7. Juli statt. Das ist der Tag des städtischen Schutzheiligen San Savino. Es gibt eine Pferdemesse, eine Parade historischer Kutschen und Reitausstellungen, Märkte und Infostände innerhalb der Altstadt sowie ein großes Feuerwerk.

Interessant: Der Schutzheilige San Savino war zum Ende des 3. Jahrhunderts der Bischof von Spoleto und starb dort während der Christenverfolgung den Märtyrertod.

Erst 956, fast 600 Jahre später, als Ivrea einen Schutzpatron brauchte, um die Stadt von der Pest zu befreien, wurde San Savinos Leichnam „verlegt“ und angeblich stoppte die Seuche sofort, als die sterblichen Überreste des Märtyrers in Ivrea eintrafen.

Blick auf die ehemalige Kirche di Santa Maria in der Ivrea Altstadt, am Ende einer langen, schmalen Strasse, die von hohen Stadthäusern gesäumt ist.
Ehemalige Kirche di Santa Maria in der Ivrea Altstadt
Am Kopf der großen Piazza Citta von Ivrea steht das rosafarbene Rathaus mit hohem Glockenturm. Davor flanieren Linda und weitere Fußgänger über das Kopfsteinpflaster.
Rathaus auf der Piazza Citta von Ivrea

Mein Favorit
Linda hält den Reiseführer vom Piemont in der Hand

Piemont mit Ausflügen ins Aostatal Reiseführer
✅Auflage von 05/2022
✅432 Seiten mit 244 Farbfotos
✅36 Übersichtskarten und 16 Seiten mit sieben Wanderungen und Touren

Anreise und Parken in Ivrea

Anreise mit dem Auto
Von Turin brauchst Du für die 55km nach Ivrea 50 Minuten auf der mautpflichtigen Autobahn oder eine Stunde über die Landstraße. Die nördlich der Hauptstadt gelegene Kleinstadt eignet sich hervorragend für einen Tagesausflug.

Parken in Ivrea
Am Südufer der Dora Baltea, nördlich des Bahnhofs, gibt es einen großen, kostenfreien Parkplatz (⇨ Lage), der sich als Ausgangspunkt für eine Stadtbesichtigung sehr gut eignet.

Von diesem bist Du in weniger als 10 Gehminuten über die Fußgängerbrücke Passerella Natale Cappellaro oder die Brücke Adriano Olivetti im historischen Zentrum der Altstadt.

Anreise mit der Bahn
Von Turin gibt es alle zwei Stunden einen Direktzug nach Ivrea.
Fahrtdauer: 1std / Preis: € 6,70 pro Strecke


Fazit

Ivrea ist eine mittelgroße Stadt mit erstaunlich vielen Facetten.

Die historische Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen, das imposante, rote Schloss und die beeindruckenden Kirchen laden zum Erkunden ein, während das architektonische Erbe der Olivetti-Industriestadt einen interessanten Einblick in die moderne Geschichte bietet.

Umgeben von einer malerischen Seenlandschaft und eingebettet in die sanften Hügel des Canavese, ist Ivrea auch ein schöner Ort für Spaziergänge und Wanderungen.

Ob Du über die Via Francigena wanderst, für den berühmten Orangenkarneval mit seinen farbenfrohen Festlichkeiten anreist oder einfach so einen Tagesausflug machst, Ivrea ist ein Reiseziel, das überrascht, inspiriert und begeistert.