Susa im Susatal
Sehenswürdigkeiten, Tipps & Highlights für die Römerstadt im Piemont
Ich gebe es zu: Ich habe Susa nicht gesucht, die Stadt hat mich gefunden. Auf einem meiner vielen Roadtrips durch das Piemont sind wir mehr oder weniger zufällig hier gelandet. Und was soll ich sagen? Es war Liebe auf den ersten Blick.
Zwischen antiken Ruinen, alpinem Panorama und italienischer Gelassenheit habe ich mich schockverliebt in diesen Ort, den kaum jemand auf dem Radar hat und der seit meiner Entdeckung zum festen Sightseeing-Program aller meiner Piemontgäste gehört.
Dabei liegt Susa strategisch perfekt: eingebettet im Susatal, am Fuße des majestätischen Rocciamelone, und nur eine gute Stunde von Turin entfernt. Die Stadt bietet eine einmalige Mischung aus römischer Geschichte, mittelalterlichem Charme und Natur pur. Ein echter Geheimtipp im Piemont!
Erfahre hier, warum Susa viel mehr ist als nur ein Zwischenstopp auf dem Weg in die Alpen und was Du auf keinen Fall verpassen solltest, wenn Du Dir diesen Schatz live anschauen möchtest.
Susa Sehenswürdigkeiten
Als ich zum ersten Mal durch das historische Zentrum von Susa spazierte, hatte ich ehrlich gesagt keine großen Erwartungen und genau deshalb war ich völlig baff.
Gefühlt, hinter jeder Ecke verstecken sich römische Mauern, mittelalterliche Tore oder kleine Details, die Geschichten aus vergangenen Jahrhunderten erzählen. Diese kleine Stadt hat mich wirklich überrascht!
Hier sind meine ganz persönlichen Highlights, eine Mischung aus beeindruckender Geschichte und liebevollen Entdeckungen:
Augustusbogen (Arco di Augusto)
Am meisten hat mich der Augustusbogen umgehauen. Du stehst da, mitten in einer alpinen Kleinstadt, und plötzlich erhebt sich vor dir dieser riesige Marmor-Bogen, als wärst Du gerade in Rom gelandet.
Der Bogen wurde im Jahr 8 v. Chr. zu Ehren von Kaiser Augustus errichtet und ist aus weißem Marmor gefertigt. Er ist über 13 Meter hoch und gilt als das besterhaltene Monument seiner Art in ganz Norditalien. Wahnsinn, oder?
Besonders faszinierend: Seine Achse ist exakt auf den Gipfel des Rocciamelone ausgerichtet, als ob schon die alten Römer wussten, wie sie Natur und Baukunst miteinander in Szene setzen.
Damals verlief hier übrigens die Via Cottia, die das römische Turin mit dem heutigen Gap in Frankreich verband: ein echter Knotenpunkt im römischen Reich.

Römisches Amphitheater (Anfiteatro Romano)
In Rom stehst Du oft stundenlang Schlange und zahlst über 20 € für den Eintritt ins Kolosseum. Zugegeben: Die Arena in Susa ist deutlich kleiner aber dafür bist Du hier meistens ganz allein unterwegs. Und das Beste? Der Eintritt ist komplett kostenlos.
Das römische Amphitheater von Susa stammt aus dem 2. Jahrhundert nach Christus und ist mit nur 45 mal 47 Metern das kleinste Amphitheater der Römerzeit in Italien.
Trotzdem fühlt es sich eindrucksvoll an – vor allem, wenn Du in der Mitte der Arena stehst und Dir vorstellst, wie hier einst Gladiatorenkämpfe und Venationes (Tierhetzen) stattfanden.
Ein spannendes Detail: Über viele Jahrhunderte lag die Arena unter der Erde begraben. Der Merdarello-Bach, der in der Nähe fließt, hatte sie mit Sedimenten zugeschüttet.
Ganze sechs Meter Erde mussten zwischen 1956 und 1961 abgetragen werden, um das Amphitheater wieder freizulegen.
Heute kannst Du es einfach so betreten, ohne Tickets oder Wartezeit, ein echtes Geheimhighlight für Geschichtsfans, ganz ohne Trubel.

Schloss der Gräfin Adelheid (Castello della Contessa Adelaide)
Das Schloss wurde vermutlich auf den Ruinen eines keltischen Statthalterpalasts errichtet und im Laufe der Jahrhunderte immer wieder umgebaut. Seine bekannteste Bewohnerin war Adelaide von Susa, eine der bedeutendsten Frauen ihrer Zeit.
Durch sie begann der Aufstieg der Savoyer Dynastie, die später über große Teile Europas herrschte. Über Jahrhunderte diente die Burg als noble Residenz, nicht zuletzt für prominente Gäste wie Franz von Assisi, Ludwig XIII. oder sogar Kardinal Richelieu.
Ab 1806, nach einem napoleonischen Dekret, wurde die Burg schrittweise verlassen und ging schließlich in die Hände der Gemeinde über.
Nach 15 (!) Jahren liebevoller Renovierung kannst Du das Schloss seit 2017 wieder besichtigen. Heute als modernes Volkskundemuseum, das vor allem die Bedeutung der Alpenpässe für das Susatal und die Region Savoyen zeigt.
⇨ Hier findest Du Infos zu Preisen & Öffnungszeiten. Ermäßigten Eintritt bekommst Du mit der Torino & Piemonte Card.
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Paradiestor (Porta Savoia) & Kathedrale von San Giusto
Die Porta Savoia, auch „Paradiestor“ genannt, markiert die Westseite der ehemaligen Stadtmauer. Ihre zwei massiven, zylindrischen Türme stammen aus dem 3. oder 4. Jahrhundert v. Chr.. Ein echtes Bollwerk und eines meiner Lieblings-Fotomotive!
Ursprünglich waren die Türme wohl sogar noch höher und boten dank ihrer Fensteröffnungen einen Rundumblick zur Verteidigung. Wenn Du davor stehst, spürst Du richtig, wie strategisch wichtig Susa einmal gewesen sein muss.
Direkt an dieses römische Stadttor wurde im 10. Jahrhundert die Kathedrale von San Giusto angebaut. Ich finde den Kontrast einfach toll: außen schlicht, innen überraschend detailverliebt.
Wenn Du gerne alte Kirchen besichtigst, solltest Du Dir hier etwas Zeit nehmen. Vor allem wegen der Mischung aus romanischen und gotischen Elementen, die sich selten so harmonisch ergänzen.

Kirche Santa Maria del Ponte (Chiesa della Madonna del ponte)
Manchmal sind es die unscheinbarsten Orte, die die größten Schätze beherbergen. So ging es mir bei der Chiesa della Madonna del Ponte, einer Kirche, an der ich fast vorbeigelaufen wäre, obwohl sie recht groß ist. Zum Glück habe ich genauer hingeschaut.
Die Kirche stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist nach einer besonderen Holzstatue benannt: der Madonna del Ponte, einer filigranen Figur aus Kalkholz, vermutlich im 12. Jahrhundert in den Pyrenäen geschnitzt.
Heute findest Du dieses Kunstwerk nicht mehr direkt in der Kirche, sondern nur wenige Schritte entfernt im Diözesanmuseum für sakrale Kunst, das seit dem Jahr 2000 an die Kirche angeschlossen ist.
Ich habe es ehrlicherweise noch nicht bis ins Museem geschafft aber wenn Du Dich für Kirchenkunst und alte Handwerkskunst interessierst, lohnt sich ein Abstecher bestimmt.
⇨ Hier findest Du Infos zu Öffnungszeiten und Preisen. Kostenlos ist der Eintritt mit der Torino & Piemonte Card.

Weitere Sehenswürdigkeiten der Stadt Susa sind:
- Römisches Aquädukt / Acquedotto romano (4. Jahrhundert)
- Kirche und Kloster San Francesco / Chiesa di San Francesco (13. Jahrhundert)
- Kirche Santa Maria Maggiore / Chiesa di Santa Maria Maggiore (10. Jahrhundert)

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Stadtspaziergang durch Susa
Susa ist einer dieser Orte, die Du am besten zu Fuß erkundest. Alles liegt nah beieinander, und doch gibt es an jeder Ecke etwas Neues zu entdecken. Perfekt für einen gemütlichen Spaziergang mit viel Geschichte und ein bisschen Dolce Vita.
Ich empfehle Dir, etwa 1,5 Stunden für Deinen Rundgang einzuplanen. Das reicht gut, um die wichtigsten Highlights wie den Augustusbogen, das Amphitheater und die Porta Savoia zu sehen.
Falls Du auch in eines der Museen möchtest, solltest Du natürlich etwas mehr Zeit einplanen.
Startpunkt ist die Piazza della Repubblica, der zentrale (Park-)Platz von Susa. Schau dort unbedingt kurz in der Touristeninformation vorbei.
Dort habe ich einen richtig tollen kostenlosen Stadtplan bekommen, in 3D gestaltet und super übersichtlich. So verlierst Du garantiert nicht den Überblick.
Insidertipp fürs Bauchgefühl: Wenn Du unterwegs Hunger bekommst (oder einfach Appetit – ganz ehrlich, in Italien hat man immer Appetit), leg unbedingt einen Stopp in der Fußgängerzone bei der Panificio Caffetteria Marzo ein. Deren Focaccia mit wechselnden Belägen ist der Wahnsinn: einfach an der Theke aussuchen, einpacken lassen und draußen weiterbummeln.


Los geht’s durch die Fußgängerzone in der Via Roma, wo sich schnell das Gefühl einstellt, in einem italienischen Film gelandet zu sein. Kopfsteinpflaster, kleine Geschäfte, und plötzlich öffnet sich der Blick und man steht vor der sehenswerten Chiesa della Madonna del Ponte.
Ein paar Schritte weiter überqueren wir die Brücke über den Fluss Dora Riparia. Auf der anderen Seite schlendert man durch verwinkelte Gassen auf die Porta Savoia zu, dem mächtige Paradiestor mit seinen zwei wuchtigen Türmen.
Gleich daneben wartet die Kathedrale von San Giusto, die man leicht verpasst, da das Tor mit seiner Größe schon ablenkt.
Durch den Parco d’Augusto, eine kleine grüne Oase mitten im Ort, geht’s weiter, direkt durch den monumentalen Augustusbogen hindurch.
Nur ein paar Meter später spazieren wir durch Überreste des römischen Aquädukts. Hier fühlt sich Geschichte wirklich greifbar an, wie ein Freilichtmuseum ohne Absperrungen.
Am Fuß der Treppe beginnt ein schmaler Gang, eingerahmt von alten Steinmauern. Er führt uns vorbei an der Chiesa della Grazie, wieder so ein Ort, den man leicht übersehen könnte, bis wir das römische Amphitheater erreichen. Und ja, auch beim zweiten Besuch hat mich dieser Ort wieder beeindruckt.
Über die Piazza San Francesco, vorbei an der gleichnamigen Kirche und Klosteranlage, biegen wir langsam wieder Richtung Ausgangspunkt ab.
Über die Brücke zurück zur Piazza Novembre, dann noch ein letzter Bummel durch die Fußgängerzone und schon sind wir wieder beim Parkplatz.
⇨ Mehr Fotos und GPX Daten zur Tour, aufgezeichnet mit Komoot

⭐⭐⭐
Convento Boutique Hotel
Untergebracht in einem ehemaligen Kloster, dessen Charakter beibehalten wurde. Zentrumsnah, mit kostenfreien Parkplätzen und WLAN ist es ideal zur Erkundung der Stadt und der umliegenden Bergwelt.
Susa im Überblick – Wo Geschichte, Alpenpanorama und echtes Leben aufeinandertreffen
Wer sich im Piemont nach echter Bergluft, alpiner Kulisse und einem Hauch römischer Geschichte sehnt, sollte Susa auf keinen Fall übersehen.
Die kleine Stadt liegt nur ca. 50 km westlich von Turin und fühlt sich trotzdem wie eine andere Welt an: ruhiger, ursprünglicher und deutlich näher an den Bergen.
Susa liegt strategisch perfekt: eingebettet im Susatal, direkt an den Passstraßen zum Montgenèvre und Mont Cenis.
Kein Wunder, dass der Ort schon in der Antike ein wichtiger Knotenpunkt auf den transalpinen Handels- und Militärwegen zwischen Italien und Frankreich war und es irgendwie immer geblieben ist.
Mit knapp 6.200 Einwohnern auf etwa 500 Metern Höhe bietet Susa alles, was man braucht – Supermärkte, Cafés, nette Restaurants, sogar ein Krankenhaus – und das Ganze eingerahmt von schroffen Alpengipfeln.
Für mich ist Susa der perfekte Ort, wenn Du mehr wandern als shoppen willst und Dir Turin dafür einfach zu weit oder zu urban ist.
Die Geschichte des Ortes reicht weit zurück: Schon im 1. Jahrhundert v. Chr. wurde Susa – damals „Segusium“ – von den Kelten gegründet und unter den Römern ausgebaut.
Viele der gut erhaltenen Bauwerke wie Amphitheater, Aquädukt, Stadtmauer oder der Augustusbogen stammen aus dem 3. Jahrhundert.
Im Mittelalter prägte dann Adelheid von Susa die Stadtgeschichte. Sie heiratete 1035 in dritter Ehe Odone von Savoyen, und aus dieser Verbindung ging die Savoyer Dynastie hervor.
Das ist jenes Adelsgeschlecht, das Italien später über Jahrhunderte prägen sollte, bis hin zu den Königen des 20. Jahrhunderts.
Auch heute spielt Susa eine besondere Rolle als Transitort in den Westen, durch die Autobahn A32 und vielleicht bald durch das viel diskutierte TAV-Hochgeschwindigkeitsprojekt.
Das hat der Wirtschaft Auftrieb gegeben, der Natur im Susatal aber auch einiges abverlangt. Ein Balanceakt, der hier überall spürbar ist.


Was Du rund um Susa noch entdecken kannst – meine Favoriten
Wenn Du ein bisschen mehr Zeit mitbringst oder sowieso mit dem Auto oder Zug durchs Susatal unterwegs bist, lohnen sich auch einige Abstecher in die Umgebung. Hier meine persönlichen Tipps, von versteckten Dörfern bis zu spektakulären Höhenwegen:
Festung von Exilles
Nur etwa 20 Kilometer westlich von Susa liegt das kleine Dorf Exilles und es hat eine riesige Überraschung parat: das Forte di Exilles, das hoch über dem Tal thront.
Total beeindruckend, wie gut erhalten und weitläufig die Anlage ist. Früher war sie ein Zankapfel zwischen Frankreich und Savoyen, heute ist sie ein spannendes Museum mit Ausblicken, die allein den Aufstieg wert sind.
Sacra di San Michele
Ein echter Klassiker und Wahrzeichen des Piemont. Die Sacra di San Michele, etwa 30 Kilometer von Susa entfernt, sieht aus wie ein Fantasy-Drehort (und hat Umberto Eco zu Der Name der Rose inspiriert).
Das Benediktinerkloster klebt spektakulär auf einem Felsen und bietet einen atemberaubenden Blick bis nach Turin. Wenn Du früh am Morgen da bist, hast Du das magische Licht fast für Dich allein.
Novalesa
Etwa 15 Kilometer nördlich von Susa findest Du das kleine, niedliche Novalesa. Die Benediktinerabtei wurde schon im Jahr 726 gegründet und die Fresken im Inneren gehören zu den ältesten im gesamten Piemont.
Ich habe das Dorf auch als idealen Startpunkt für Wanderungen genutzt: schattige Wege, alte Mühlen, kaum Menschen. Perfekt, wenn Du ein paar Stunden Ruhe suchst.
Mont Cenis Pass – Hochalpen, Seen & Festungen
Einer meiner absoluten Lieblingspässe! Der Col de Mont Cenis verbindet Italien und Frankreich auf über 2.000 Metern Höhe.
Der Weg hinauf ist schon ein Erlebnis, aber oben wartet ein Stausee wie aus dem Bilderbuch, Ruinen alter Festungen und ein Hochplateau, das zum Wandern einlädt: einfach nur wunderschön!!!!
Anfahrt und Parken in Susa
Susa ist super einfach erreichbar, egal ob mit Auto oder Zug:
Mit dem Auto: Von Turin sind es knapp 55 km über die A32 (mautpflichtig) oder etwas länger, aber kostenlos, über die parallelverlaufende Landstraße.
Parken in der Altstadt:
- Piazza della Repubblica: Kostenloser Parkplatz (auf den weißen Plätzen im hinteren Teil) direkt bei der Touristeninfo. Perfekt als Startpunkt für Deinen Rundgang.
- Piazza Oddone di Savoia: Ebenfalls kostenfrei, noch näher am historischen Zentrum – ideal, wenn Du nicht viel laufen möchtest.
Mit dem Zug: Es gibt eine stündliche Direktverbindung ab Turin, Fahrzeit rund 1 Stunde, Preis aktuell nur € 6,30. Wenn Du ohne Auto reist oder einen Tagesausflug planst, ist das die entspannteste und günstigste Variante.

Was Du als Nächstes tun solltest?
Perfekt kombinierbar als Tagesausflug von Turin ist Susa mit der Abtei Sacra di San Michele, am Eingang des Susatals.
Das imposante Alpenkloster ist auch das Wahrzeichen der Region und dementsprechend ein Muss auf Deiner Liste der Piemont Sehenswürdigkeit.
2 Tage Rundreise (Val Chisone & Val di Susa)
